Johanna und das Cybermobbing – lieber ein Ende mit Schrecken als gar kein Ende!

Juli 13, 2018

Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen. An einem Montag kurz vor den Weihnachtsferien klingelte mein Telefon und ich hatte einen völlig aufgelösten Vater am Apparat und hörte im Hintergrund eine Frau weinen. Es waren die Eltern der 15-jährigen Johanna, die nicht mehr weiterwussten, da sich ihre Tochter seit dem Schulwechsel in ein Münchner Gymnasium komplett verändert hat. Ich vereinbarte mit den Eltern einen Termin bei mir im Büro um Näheres zu erfahren und war gespannt auf das was wohl kommen würde.

An unserem Termin berichteten mir ihre Eltern, Johanna hätte sich kurz nach Schulbeginn in der neuen Schule total verändert. Sie hätte sich zurückgezogen, redete kaum mehr, wirke in sich gekehrt, verschlossen, ja sogar bedrückt, ihre Freizeit verbrächte sie meistens in ihrem Zimmer und sie würden sich sehr selten mit ihren Freunden treffen. Sie sagten mir, dass sie sich riesige Sorgen machen würden, sehr oft versucht hatten mit Johanna zu sprechen aber sie kämen nicht an sie ran und wüssten vor lauter Sorgen um ihre Tochter nicht mehr weiter. Auf mein Nachfragen beteuerten sie mehrmals vor dem Schulwechsel wäre alles in Ordnung gewesen!

Auf Grund meiner Erfahrung als Anti-Mobbing-Coach und Experte für Lebensglück, lag es für mich nahe, dass einer oder mehrere der drei wichtigsten Lebensbereiche (Schule, körperliche und seelische Gesundheit, Privatleben) von Johanna im Argen lägen. Dies teilte ich ihren Eltern mit und bot ihnen an und legte ihnen nahe, dass sie mit ihrer Tochter sprechen sollen! Sie sollen Johanna folgendes Angebot machen, wenn sie nicht mit ihren Eltern reden möchte, darf sie sich bei mir melden und wir sprechen erstmal persönlich unter 4 Augen, darüber was sie bedrückt. Danach liegt die Entscheidung bei ihr, wie wir weiter vorgehen.

Keine 2 Tage später meldete sich Johanna bei mir und wir vereinbarten zeitnah einen Gesprächstermin.

Als ich mich mit ihr in meinem Büro traf, merkte ich, dass es ihr nicht besonders gut ginge und ermutigte sie ganz offen über ihre momentane Situation zu berichten. Johanna war es ganz wichtig, dass ich erstmal nichts ihren Eltern davon erzählen sollte. Sie berichtete mir von einer Klassengemeinschafts WhatsApp Gruppe, zu der sie kurz nach Beginn des Schuljahres eingeladen und hinzugefügt wurde. Erstmal nichts Schlimmes! Ende September ging es dann wohl in dieser Gruppe um den Sommerurlaub und Johanna hatte dazu ein Foto von sich am Strand im Bikini mit ihrem Vater und Onkel gepostet ohne sich dabei etwas zu denken. Einige Mitschüler haben rundum das gepostete Foto eine Geschichte kreiert und ihr wurde angedichtet, dass das ihre beiden Lover sein und sie eine Schlampe sei! Zudem wurde das Bild noch bearbeitet und sexistisch verändert und es wurde wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken und Messenger Diensten verteilt. Seit diesem Tag an hatte Johanna kein leichtes Leben mehr und wurde ständig dumm angemacht, bekam zweideutige Angebote von mehr oder weniger Bekannten und Unbekannten und wurde von vielen Mitschülern links liegen gelassen. Jeder neue Tag hatte sich für sie zu einem reinen Spießrutenlauf entwickelt und sie konnte und mochte nicht mehr und war vollkommen verzweifelt! Sie hatte große Angst sich ihren Eltern anzuvertrauen, schämte sich dafür und wusste nicht mehr weiter.

Ich bot ihr meine Hilfe und Unterstützung an um gemeinsam aus dem Cybermobbing rauszukommen und empfahl ihr, dass wir mit ihren Eltern zusammen reden würden!

Wir verabredeten ein Gespräch mit ihren Eltern, Johanna und mir und erarbeiteten vorher eine gemeinsame Strategie um es ihren Eltern zu erzählen.

Im gemeinsamen Gespräch mit ihren Eltern stellten wir den Sachverhalt und Johannas Situation dar, ihre Eltern zeigten vollstes Verständnis und sie waren froh zu wissen, warum sich Johanna so verändert hatte.

So konnten wir zusammen die nächsten Schritte einleiten um Johanna dabei zu helfen sich aus dem Cybermobbing und Mobbing zu befreien. Wir vertrauten uns der Schulleitung und Johannas Klassenlehrer an, die sehr zugänglich waren. Ihr Klassenlehrer wunderte sich schon länger über Johanna, die sehr in sich gekehrt und bedrückt wirkte. Zusammen mit der Schule, ihren Eltern und Johanna überlegten wir, wie wir Johanna raus aus dem Mobbing bringen könnten. Ich war zweimal zur Aufklärung über Mobbing und Cybermobbing in der Klasse. Das Mobbing von ihren Klassenkameraden hörte auf, jedoch ging es in der Pause durch andere Mitschüler weiter.  Johanna und ihre Eltern waren bei der Polizei und erstatteten Anzeigen wegen Beleidigungen, übler Nachrede und Verletzung der Persönlichkeitsrechte und Bildrechte. Währenddessen war Johanna regelmäßig bei mir im Einzelcoaching um ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufzubauen und zu stärken und all die negativen Erlebnisse zu stärken. Ihre Lebens – und Schulsituation verbesserte sich zunehmend, jedoch war Johanna nicht mehr glücklich an der Schule. Letztendlich fasste Johanna den Entschluss zurück an ihr altes Gymnasium an ihrem Heimatort zu wechseln. Heute geht es ihr gut und sie geht wieder gerne in die Schule, trifft sich mit Freunden und genießt ihre Jugend! Seitdem ist Johanna vorsichtiger und umsichtiger geworden, was sie wem von ihrer Privatsphäre preisgibt und was sie von sich in den sozialen Netzwerken und Medien offen legt.

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